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Fettnäpfchenführer Kanada: Wenn’s im Land der Weite eng wird – Rezension

Dass Sophie von Vogels Reiseführer über das „Land der Weite“ eigentlich gar kein Reiseführer ist, darauf verweist bereits der Titel: „Fettnäpfchenführer Kanada: Wenn’s im Land der Weite eng wird“. Kein Reiseführer, sondern ein „Fettnäpchenführer“ also – konkret heißt das: Es handelt sich hier nicht um eine faktische Darstellung, nicht um ein klassischerweise thematisch oder alphabetisch gegliedertes Nachschlagewerk, das, wie man das gewohnt ist, mit geografischen – zu Städten, Flüssen und Bergen – oder zielgruppenorientierten – für Camper oder Wanderer – Vertiefungen aufwartet.

Die Autorin hat einen völlig anderen Ansatz: Aus der Perspektive einer fiktiven Figur, der Jugendlichen Mareike, die mit einem Work-&-Travel-Jahr in Kanada aus dem deutschen Alltag auszubrechen gedenkt, bringt sie uns sukzessive und fast schon spielerisch alles das näher, was man auch von einem klassischen Reiseführer erwarten würde, allerdings garniert mit viel mehr Humor und Leichtigkeit, mit Witz und allerlei Anekdotischem. Mareike stürzt sich mit einer gesunden Portion Naivität und Lebenslust in das Abenteuer Kanada, sie schlittert förmlich durch die „Ice-Road der kanadischen Kultur“, und lässt dabei kaum ein Fettnäpfchen aus – das ist ebenso lehrreich wie unterhaltsam.

Fettnäpfchenführer Kanada: Wenn's im Land der Weite eng wird

Fettnäpfchenführer Kanada: Wenn's im Land der Weite eng wird

Mareike erlebt Kanada und die Autorin vergegenwärtigt uns Lesern das Erlebte – die Fettnäpfchen, in die Mareike tappt, werden etwa in Kapiteln wie „Was ist diesmal schiefgelaufen“ erläutert. Ergänzend bricht die Autorin bisweilen mit der Illusion der fiktionalen Wirklichkeit, indem sie immer wieder kleine Infotexte mit Wissenswertem zwischen die erzählenden Passagen integriert, oft auch mit Angabe von Internetadressen oder weiterführender Literatur, die das Referierte noch konkretisieren könnten. Jede Peinlichkeit, die Mareike wiederfährt – und das sind allerlei -, wird also erläutert, so dass man schließlich weiß, wie man es besser machen kann. Trotzdem will die Autorin keinen Verhaltenskodex liefern, keine regulative Norm aufstellen oder gar zementieren. Im Gegenteil: Das Buch regt an, es Mareike gleichzutun und sich, freilich mit etwas mehr Wissen über das Reiseziel ausgestattet, mit gleicher Lebenslust in die Wildnis, Kultur und Gesellschaft Kanadas zu stürzen.

Die Korrelation von Information und Unterhaltung, von Anekdotischem und Wissenswertem gelingt der Autorin also ganz ausgezeichnet; das Wissen über Land und Leute vermittelt sie implizit – durch Mareikes Erlebnisse -, aber auch explizit, eben durch jene kleinen Informationspassagen, die zwar kurz, dafür aber auch prägnant und präzise sind. Das hierdurch für den Leser erschlossene Themenspektrum ist vielfältig-facettenreich. Neben der ausführlich behandelten kanadischen Mentalität und Lebenshaltung – etwa in Kapiteln wie „Deutsche Direktheit und kanadische Zurückhaltung“ – stehen gleichermaßen auch mehrere Kapitel über die kanadische Kultur, die verschiedenen Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, über Kulinarisches – etwa im Kapitel „Quietschkäse und Karibufleisch“ oder „Schlange zum Frühstück“ -, ganz Pragmatisches („Wo geht es ins Zentrum?“) und nicht zuletzt natürlich auch über die kanadische Natur, die allein schon auf Grund ihrer Vielfalt und Weite, von den eisigen Rocky Mountains und den kilometerweiten, von Bären bewohnten Wäldern bis hin zu den eindrucksvollen Nationalparks, Weltruhm genießt. Auch hier gelingt es der Autorin, eine spaßige, informative und vor allem pragmatische Einführung zu liefern, beispielsweise in Kapiteln wie „Wo man wilde Wasserfälle findet“ oder „Where is the Wild Wild West“.

Lobend erwähnt werden, muss auch das alphabetisch sortierte Glossar, das in der Manier eines Wörterbuchs noch mal in Kürze zahlreiche wichtige kanadische Begriffe erläutert – vom „area code“ bis hin zum „zodiac“ (ein mittelgroßes Schlauchboot), und auch das angefügte Stichwortverzeichnis erweist sich als ungemein hilfreich, ermöglicht es doch eine bessere Orientierung innerhalb des Buches.
Wer freilich einen klassischen Reiseführer – im Stile eines Kunst- oder Kletterführers – sucht, der wird hier sicher nicht das Gewünschte finden können. Dafür gelingt der Autorin aber in einfacher, flüssig zu lesender Sprache eine gekonnte Symbiose aus Reiseerzählung und Reiseführer, die gleichermaßen unterhält und informiert.