Skip to main content

Québec Küche

Quebec ist das Herzstück der früheren Kolonie Neu-Frankreich und hat seine französische Kultur bis aufs Messer (und manchmal darüber hinaus) gegen den britischen und irischen Einfluss verteidigt. Was in Anbetracht der kulinarischen Traditionen vielleicht auch eine gute Idee war… Mit Entsetzen wird man dann aber feststellen, dass sich in Montreal, Quebec City und Ottawa neben erlesenen französischen Gerichten der post-„nouvelle cuisine“-Generation auch so seltsame Dinge wie „poutine“ („Sauerei“) oder „canard en conserve“ („Ente in der Dose“) finden.

Die vor Fett tropfende „Poutine“ besteht aus dicken Kartoffelspalten, auf die frischer Cheddarbruch und jede Menge dunkler Bratensoße gekippt wird. Abwandlungen mit anderen Soßen oder auch mit Wurst- und Fleischstücken komplettieren dieses mittlerweile in ganz Ostkanada anzutreffende „Essen“. Im wahrsten Sinne merkwürdig ist die „Ente in der Dose“, bekommt man doch tatsächlich eine heiße Dose mit Entenfleisch, Leber und viel Soße zu seinen Beilagen am Tisch serviert. Sieht fürchterlich aus, schmeckt aber exzellent. Einfache, typische Gerichte für Quebec sind z.B. „tourtieres“ (Fleischpasteten), die sich prima für unterwegs eignen, „pâté chinois“ (China Kuchen, eine Art Cottage Pie) und natürlich das „Montreal smoked meat“, noch warmen Scheiben heißgeräucherter Rinderbrust. Das smoked meat ist übrigens das Gericht in den Montrealer Delis wie Schwartz’s und Reuben’s und wurde, genau wie ihr New Yorker Äquivalent „Pastrami“, von jüdischen Immigranten aus Rumänien populär gemacht. Übrigens finden sich meist gleich in nächster Nachbarschaft zu diesen Delis einige berühmte Bagel-Bäckereien, durch deren im Holzofen gebackenes Bagel-Sortiment man sich probieren sollte. Am besten mit einem Stück einheimischem Oka-Käse oder – natürlich – Ahorn-Sirup. Letzterer ist außerdem unverzichtbarer Bestandteil des Naschwerks „oreilles de crisse“, ähnlich unserer Schweinsohren.

Poutine

Poutine ©iStockphoto/Ju-Lee

Neben diesen ganz einfachen Spezialitäten hat sich aber gerade in jüngerer Zeit der französische Einfluss in der Québec-Küche positiv bemerkbar gemacht. Viele junge französische und einheimische Köche, die vom tradierten französischen Sterne-System abgeschreckt wurden, gingen z.B. nach Montreal und etablierten eine exzellente saisonale Küche. Die kleine Karte, frische Zutaten, kunstvoll zubereitete Gerichte und günstige Preise in einem kleinen, persönlichen Ambiente tragen zu einem wirklich guten Essen bei. Insbesondere das je nach Jahreszeit schwankende Angebot an Jakobsmuscheln, Elefantenrüsselmuscheln, Flusskrebsen, Seeigeln und Fischen kann sich dort sehen und schmecken lassen.